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Nigeria ist das siebt-bevölkerungsreichste Land und der achtgrößte Ölexporteur der Welt sowie die größte Wirtschaftsnation des afrikanischen Kontinents. Nigeria wurde in den letzten Monaten durch einen langanhaltenden Terrorkampf und einen harten Wahlkampf gelähmt. Der gesunkene Öl- und Gaspreis erfordert massive Reformen, damit Nigeria seine Potenziale entfalten kann.

Was ist notwendig, damit der neue Präsident Buhari Nigeria auf einen Reformkurs bringt und seine hohen Wachstumsraten halten kann.

  1. Nigeria benötigt Frieden, einen nachhaltigen Frieden im Norden. Dazu ist es erforderlich, dass die Regierung nicht nur militärisch gegen Boko Haram erfolgreich ist. Das Land bedarf einer Wirtschafts- und Sozialagenda für den Norden, damit der weitgehend armen Bevölkerung wieder eine Perspektive gewiesen werden kann. Mittel müssen hier vor allem in den Bildungsbereich, die Infrastrukturentwicklung und die Förderung von Klein- und Mittelunternehmen sowie der Landwirtschaft fließen.
  2. Nigeria hat ein sehr hohes Bevölkerungswachstum mit einer steigenden Zahl von Arbeitslosen, vor allem auch jugendlichen Arbeitslosen. Das Wachstum der Zukunft muss mehr inklusives Wachstum sein, d.h. Nigeria muss seine Wirtschaft deutlich diversifizieren und modernisieren und so die Abhängigkeit von Öl und Gas reduzieren. Die bislang verfolgten Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um in Nigeria nachhaltig Wachstum zu sichern. Erforderlich sind vor allem Investitionen in das Stromnetz, den Straßenbau, die Wasserversorgung und die Förderung von Industrieclusters, damit außer den ausländischen Unternehmern auch viel mehr nigerianische Unternehmer bereit sind zu investieren.
  3. Die Institutionen müssen weitaus strenger reformiert werden als das bisher der Fall war. Dazu gehört nicht nur die Beseitigung der horrenden Korruption, die unter dem ehemaligen Präsidenten Jonathan erheblich zugenommen hat. Notwendig sind: eine Verbesserung des Business-Klimas, eine Reform der Verteilung der Ölrenten an die Bundesstaaten, die diese Gelder frei von Kontrolle und dem gesamtgesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Erfordernissen verwendet haben. Präsident Buhari wird hier besonders reformbereit auftreten müssen, um die erforderlichen Einschnitte im Staatshaushalt durchzuführen.
  4. Nigeria wird vor allem seine einseitige Ausrichtung auf Öl und Gas durch tiefgreifende Anreizsysteme verändern müssen. Der Aufbau einer tragfähigen Industrie sowie die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft, die in der Lage ist, die Nachfrage auf dem nigerianischen Markt zu bedienen, müssen tragende Säulen der nigerianischen Wirtschaft werden.
  5. Im Vergleich der internationalen Wirtschaftsindikatoren schneidet Nigeria zumeist recht schlecht ab. Will Nigeria seine Potentiale voll entfalten und seine Leistungsfähigkeit weiter steigern, sind Strukturreformen erforderlich. Die Bedingungen dafür sind nicht schlecht, denn eine wachsende Mittelschicht hat ein großes Interesse an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, an einem besseren Schul- und Gesundheitssystem, an besseren Straßen, an der Beseitigung der Engpässe in der Elektrizitätsversorgung und an der Etablierung gut funktionierender Institutionen.
  6. Die politischen und wirtschaftlichen Eliten haben bislang wenig Bereitschaft gezeigt, sich von ihren Partikularinteressen zu verabschieden. Präsident Buhari steht vor großen Aufgaben. Gegen ihn stehen die politischen Eliten des Landes, gegen ihn stehen die Blockierer auf der Unternehmerseite, die sich vor allem über den Staat bereichern konnten. Inwieweit er sich im Interesse der nigerianischen Bevölkerung von dem Elitenrecycling-System emanzipieren kann, ist die entscheidende Herausforderung seiner Amtszeit.
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