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Andreas Mehler.Zum Abschied.25.8.2015

Andreas Mehler, Abschied vom GIGA, 25.8.2015
Robert Kappel

Lieber Andreas,
Manno man, die Zeit geht dahin. Und nun bist Du schon fast in Freiburg. Heute müssen wir Deinen Abschied feiern, FEIERN? Hinnehmen… Du wirst uns fehlen, sage ich mal ein wenig aus der Ferne.
Deine Karriere: ein Traum, und trotzdem gab es viele Hürden. Karrieren verlaufen nie gradlinig, sie kommen ad-hoc und man muss zusagen oder ablehnen. Ablehnen ist oft schlecht, denn manche Chancen gibt es nur einmal.

Ich kenne Dich zwar noch nicht seit Deinem Start in Hamburg, als Du in etwa zeitgleich mit Ulf Engel in der Bibliothek des IAK als Doktorand – beide von Professor Rainer Tetzlaff betreut – mit Deiner Karriere begonnen hast.
Dein Karriere ist schnell und langsam gegangen: Dissertation 1993. Einreichung der Habilitation an der Uni HH im Jahr 2008 und dort dann seit 2011 Privatdozent (so schnell kann es an der Uni HH gehen).

Die Stationen, die sich auf Deinem Weg einstellten:
– 1989 Beginn der Tätigkeit am Institut für Afrika-Kunde (IAK), dort 1994 Festanstellung
– 2002 IAK-Direktor in der Nachfolge von Professor Hofmeier und Cord Jakobeit. Damals noch ohne Berufung mit der Universität Hamburg und ohne Professorentitel.
– Im Jahr 2004 Interimsdirektor des Deutschen Übersee Instituts (DÜI).
– 2006 Direktor des neuen Instituts of African Affairs (IAA), Mitglied im Vorstand des GIGA.
In den Jahren nach 2008 ging es Schlag auf Schlag weiter, eine exponentielle Beschleunigung: Lehrstuhlvertretung an der Uni Potsdam im Jahr 2009, dann 2012 Gastprofessur Uni Leipzig, und 2013 die Honorarprofessur an der FU Berlin. Und nun im Jahr 2015 Ruf an die Uni Freiburg. und Direktor des Arnold Bergstresser Instituts (ABI).

Ich glaube, Du hättest wohl kaum erwartet, Hamburg und das GIGA German Institute of Global and Area Studies jemals zu verlassen, oder?

Aber nun gehst Du durch das Tor der Welt in den Süden Deutschlands, in eine der schönsten und sonnigsten Städte, an eine alte und renommierte Universität, die Albert Ludwigs Universität, die von sich behauptet: Die Wahrheit wird Euch frei machen. So steht es an dem Gebäude KG 1, in dem Du in Zukunft in Teilzeit arbeiten und lehren wirst. (im Übrigen wütete hier der ehemalige Rektor der Universität Freiburg 1933, Martin Heidegger, einer der grausamen Art). Im internationalen Vergleich steht die Uni Freiburg auf Platz 100, vor Tübingen und viel weiter vor Hamburg.

Du hast eine gute Wahl getroffen, die Arbeit wird Dich stark herausfordern, denn Du nimmst ja nicht nur eine ordentliche Professur ein, sondern bist zugleich Direktor des bekannten Arnold Bergstresser Instituts, dessen Stern in den letzten Jahren gesunken ist und den Du nun wieder zu einem Leitstern machen wirst. Davon bin ich fest überzeugt. Deine Erfahrungen in Umstrukturierungsprozessen, Umsetzung von Evaluierungen und dein strategisches Denken sind eine exzellente Voraussetzung für die vor Dir stehenden Aufgaben.

Ja, Hamburg. die Familie, die Freunde, das GIGA und die Stadt. Insgesamt warst Du – mit einigen Unterbrechungen – 26 Jahre in Hamburg anwesend. Hier hast Du deine Familie mit Susan Steiner gegründet, die beiden Kinder Nino und Henrik groß gezogen, hier hast Du Wurzeln geschlagen, hier hast Du gelebt und gearbeitet. Und von hier aus geforscht – über und in Afrika. Die Zahl der Länder, in denen Du Dich in Afrika aufgehalten hast liegt sicherlich über 30, alle frankophonen Länder und dann in den letzten Jahren auch die anderen, von Kenia bis Cote d’Ivoire, von Äthiopien bis Südafrika. Die ganze Bandbreite, die ehemaligen Bürgerkriegsländer, Burundi, Rwanda, Cote d‘Ivoire, Liberia usw usf. Dein Hauptthema Krisen und Konflikte und Frieden, Peace Keeping. Und dann die vielen Tagungen in Afrika, in den USA und Europa. Weit gereist.

Zwischendurch hast Du auch in Manchester, Ebenhausen und Berlin einige Zeit zugebracht, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Trotz deiner 26 Jahre in Hamburg hast Du nie den Hamburger Akzent annehmen können, denn das Mannheimersche liegt Dir im Blut. Ich denke an Deine lustige 50 Jahr Geburtstagsfeier, als Du mit Deinem Bruder Sketsche mit dem Mannheimer Dialekt zelebriert hast, voller Freude und Inbrunst. Und später nochmal bei uns zu Hause. Das Video befindet sich im Archiv. Einem Hamburger oder Norddeutschen geht das natürlich etwas ab, so wie Du den Hamburger /Norddeutschen Döntjes eher nicht so viel abgewinnen kannst. Bisschen dröge. Von den Bremern sagte man, dass sie einfach nicht aus sich herauskommen können, so ist es wohl in Norddeutschland insgesamt.

Natürlich, das Wichtigste: Deine wissenschaftlichen Arbeiten. In der Zeit von 2008 bis heute hast Du acht referierte Aufsätze verfasst, u.a. in African Affairs, Journal of Modern African Studies, Civil Wars, African Security, Soccer and Society; unzählige sonstige Papers und Aufsätze veröffentlicht, Kommentare, zig GIGA Foci geschrieben, dann die Herausgebertätigkeit des Africa Yearbook mit etlichen eigenen Beiträgen und die Herausgabe es Afrika Spectrums, das Du und die anderen Editoren zu einem führenden Journal in Area Studies gemacht haben. Noch nicht genug: Du bist Mitglied des SFB 700 an der FU Berlin (jenseits der Staatlichkeit) mit einem Forschungsprojekt. Die Zahl Deiner Forschungsprojekte ist groß. Du hast in den letzten Jahren zusammen mit Kolleginnen und Kollegen die folgenden Forschungsprojekte eingeworben und durchgeführt. Ich benenne nicht die vielen vorherigen Projekte aus den 1990ern. Alle waren erfolgreich in Wettbewerbsverfahren bei der DFG, bei Thyssen, DSF u.a. Governing People’s Safety in Areas of Extremely Limited Statehood: South Sudan and the Central African Republic; Institutions for Sustainable Peace – Comparing Institutional Options for Divided Societies and Post-Conflict Countries; Power-Sharing in Post-Conflict Situations: On the Institutional Prerequisites for Lasting Peace; The Local Arena of Power Sharing: Patterns of Adaptation or Continued Disorder.

Verbunden mit zahlreichen Forschungsaufenthalten, bspw. in der Cote d‘Ivoire, Liberia, Zentralafrikanischen Republik usw. und intensivem Networking in die akademische Africa Community. Forschungsaufenthalte in zig Ländern. Und dann das Übliche für international agierende Forscher: Vorträge nah und fern, zwischen San Diego, Paris, Oxford, Lüneburg und Berlin.
Natürlich auch Lobbyarbeit in der deutschen und europäischen Community, in der Vereinigung der Afrikanisten in Deutschland VAD und AEGIS, dort jeweils warst Du auch viele Jahre im Vorstand.
Und dann deine Präsenz in den Medien. Häufige Interviews in deutschen, britischen, österreichischen und französischen Medien – in allen wesentlichen deutschsprachigen Zeitungen, tragen wesentlich zu Deinem Ruf und dem des GIGA bei.

Es könnte immer so weiter gehen mit der Aufzählung. Die Leistungsbreite und –tiefe ist so immens und hinzu kommen u.a. die Einwerbung und Betreuung von PÖKS und KIKs, und viele weitere Aktivitäten, wie Gutachten, Betreuung von Studenten, und last not least die Übernahme unglaublich herausfordernder Aufgaben bei der Umstrukturierung des GIGA. Viele nicht vergessene aber doch nicht mehr ganz präsente Reformvorschläge gingen von Dir aus, wobei Du immer das gesamte Deutsche Übersee-Institut DÜI bzw. GIGA im Auge hattest, vielleicht auch deshalb, weil Du im Jahr 2004 für einige Monate kommissarischer Direktor des gesamten DÜI in der Nachfolge von Dr. Draguhn warst. Diese verantwortungsvolle Zeit hat Dich sicherlich stark geprägt.
Ich kann hier auch nur aufzählen: Mitwirkung an der Entwicklung der CAS, die Du bereits im Jahr 2002 angedacht hattest. Im Vorstand verantwortlich für Querschnittsverantwortung QSV Publikation. Im Jahr 2004/2005. Entwicklung neuer Formate für Working Papers und Foci, Design der GIGA Publikationen, auch im Team u.a. mit Bert Hoffmann und HP Mattes. Du hast also eine führende Rolle bei den Reformen des GIGA eingenommen. Eine herausragende Rolle.
Es gäbe noch so viel zu sagen, aber um Sie/Euch nicht zu langweilen, gehe ich nur noch kurz auf zwei Sachen ein, die in meiner Kooperation mit Andreas von größter Bedeutung waren, wofür ich ihm zu größtem Dank verpflichtet bin.

1. Politikberatung
Du hast dich immer in die Politik mit Expertise eingemischt, warst im Wissenschaftliche n Beirat des damaligen Präsidenten Köhler und auf verschiedenen Meetings auf dem Petersberg in Bonn, in Accra u.a. als Experte dabei.
In der deutschen Afrikapolitik bist Du eine der wichtigsten Stimmen, und im Afrikakreis des AA einer der Motoren der Afrikapolitikberatung, u.a. bei der Diskussion um die verschiedenen Afrikakonzepte der Bundesregierung bzw. des AA.
Eine persönliche Geschichte verbindet sich mit der Afrika-Memorandums-Gruppe, einer Gruppe von Wissenschaftlern, die sich in die Politik einmischen wollte. Im Jahr 2000, genauer gesagt im Oktober 2000, schlug eine kleine Bombe in die Afrikaszene ein und wirbelte für kurze Zeit die deutsche Afrikapolitik durcheinander. Es war mehr als ein Sturm im Wasserglas. Die Afrika-Memorandumsgruppe hatte eine Stellungnahme verfasst, diese breit gestreut und dann in allen politischen Zusammenhängen präsentiert und zur Diskussion gestellt: Im Auswärtigen Amt, im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, im Bundestag, bei Parteien, bei Stiftungen und es gab eine Konferenz im ABI in Freiburg. Die Presse war voll. Es schlug uns Hass entgegen, Häme und Kritik, Freundschaften wurden beendet und zugleich gab es Beifall, vor allem auch im AA. „Endlich einmal hatten Experten den Nagel auf den Kopf getroffen“, schien es. Warum diese Aufregung. Ich zitiere aus dem 20-seitigen Text die Eingangspassage und die 5 Thesen.
Ausgehend von einer Analyse der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Dynamiken im subsaharischen Afrika plädieren wir in diesem Memorandum für eine Neubegrün-dung der deutschen Afrikapolitik entlang eines Konzepts der strukturellen Stabilität, das gleichermaßen Abschied von überoptimistischen Schablonen und von Desasterklischees nimmt. Realistische Afrikapolitik benötigt realistische Analysen.
These 1: Afrika südlich der Sahara hat sich in den letzten 40 Jahren politisch, ökonomisch und sozial erheblich differenziert.
These 2: Für eine wachsende Zahl von Staaten wird „Entwicklung“ im Sinne nachhaltiger Entwicklung und von Armutsminderung über einen sehr langen Zeitraum unmöglich bleiben.
These 3: Entwicklungspolitik allein ist mit den Herausforderungen Afrikas überfordert; deutsche Politik im nationalen Alleingang ist dies auch.
These 4: Ein radikales Nachdenken über die politischen Implikationen dieser Einsichten kann nur zu folgender Schlussfolgerung führen: Eine neue deutsche Afrikapolitik muss kohärent politisiert und konsequent europäisiert werden.
These 5: Eine neu begründete deutsche Afrikapolitik sollte sich dem Ziel der strukturellen Stabilität verschreiben.
Wer waren diese Leute, diese Truppe. Es waren Kollegen, die bis heute freundschaftlich miteinander verbunden sind und alle in recht ansehnlichen Positionen weiter agieren:
Ulf Engel, Professor an der Universität Leipzig, Stefan Mair, Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes der deutschen Industrie, BDI in Berlin, Stefan Klingebiel, Deutsches Institute für Entwicklungspolitik, DIE in Bonn, Siegmar Schmidt, Professor an der Universität Landau, Robert Kappel, ehemaliger Präsident des GIGA und Andreas Mehler, GIGA Hamburg und nun Professor an der Universität Freiburg und Direktor des ABI.
Mit dem Staatssekretär Volkmar Köhler fanden wir einen Vertrauten, mit Uschi Eid, der späteren Staatssekretärin gingen wir (ich) im Streit auseinander, und mit vielen Wissenschaftlerinnen verscherzten wir es uns. Und in der Gut-Menschen-Afrika-Szene waren wir vollkommen unterdurch. Wie konnte man nur so negativ sein, die Verhältnisse so stark kritisieren, sogar die Eliten. Dabei hatten wir nichts weiter gemacht als was Wissenschaftler so tun: adäquate Indikatoren finden, unser theoretischen und methodisches Rüstzeug einbringen, Ländergruppen bilden, Einschätzungen geben und Empfehlungen aussprechen, also nichts Weltbewegendes. Das war einigen aber schon zu viel. Bis heute wird das Memo immer wieder mal erwähnt. Es gibt sogar Diplom- und Masterarbeiten zu dem Thema. Peter Waller, ehemals Chef des DIE, meinte kürzlich zu mir: „Na – das Memo damals – da lagt ihr ja vollkommen falsch“. Und Peter Molt, Konrad Adenauer Stiftung KAS und Professor in Trier, schrieb kürzlich in einem langen Aufsatz zur deutschen Afrikapolitik genau das Gegenteil: „Beurteilt man die Aussagen des Memorandums aus heutiger Sicht, zeigt sich, dass die generelle Voraussage nicht so falsch war wie damals kritisiert, sondern dass sich das Gesamtbild Afrikas südlich der Sahara in der Tat seit der Jahrtausendwende nicht wesentlich verbessert hat. Im Einzelfall ergaben sich allerdings gravierende Abweichungen, die damit zusammenhängen, dass „keine anderen Systeme anfälliger für Krisen und Konflikte [sind] als Afrikas zahlreiche Pseudo-Demokratien, die sich bestens an die Forderungen entwicklungspolitischer Geber nach elektoraler Demokratie angepasst haben‟ .

Hier ist sicherlich der richtige Zeitpunkt, etwas zum Hintergrund der Entstehung des Memorandums zu sagen. Die Gruppe traf sich in Cadenabbia auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung, dort wo der erste Bundeskanzler in den Ferien u.a. auch Boccia spielte. Anwesend waren außer Staatssekretär Köhler die CDU-Politiker Norbert Blüm und Armin Laschelt sowie einige Bundestagsabgeordnete, d.h. ein recht exklusiver Kreis von Afrikaexperten und Politikern. Die spätere Memorandumsgruppe traf sich an den Abenden in der Cafeteria und beschloss, ein Policy Paper zu schreiben. Innerhalb kürzester Zeit war das Memorandum fertig. Durch eine gute Arbeitsteilung und nach nur einem weiteren Treffen gelang es uns, die Schrift innerhalb von 14 Tagen fertigzustellen. Eine richtig gute Kooperation von fünf Gleichgesinnten. Die Reaktionen auf die Schrift waren deutlich, teilweise heftig, jedenfalls in jeder Hinsicht eine tatsächlich überraschende Welle von Kommentaren, die teilweise in dem von Heribert Weiland und Cord Jakobeit im Jahr 2002 herausgegeben Buch enthalten sind. Im Übrigen wird Andreas Mehler der Nachfolger von Heribert Weiland, der über viele Jahre das ABI geleitet hat. Netterweise findet im November auf Einladung der KAS erneut eine Tagung zur deutschen Afrikapolitik statt. Drei der damaligen Autoren sind wieder dabei, natürlich auch Andreas.

2. Krise des DÜI und meine Präsidentschaft
Die andere Geschichte ist die Geschichte des Übergangs vom DÜI zum GIGA, in der Andreas eine bislang kaum gewürdigte Rolle spielte. Es war so. Im Februar 2004 wurde ich von der Hamburger Berufungskommission zum neuen Direktor des DÜI ausgewählt. Ich sollte die Stelle im Oktober 2004 beginnen. Ich erinnere mich noch an die Anhörung im Saal am Alsterglacis am damaligen IIK. Professor Maull war der Vorsitzende der Kommission und soweit ich sehe, ist heute auch ein Mitglied der Kommission anwesend. Es muss wohl eine dramatische Sitzung gewesen sein, denn just an dem Tag der Anhörung wurde dem DÜI der verheerende Evaluierungsbericht übergeben, den der damalige Direktor Dr Draguhn dem Vorsitzenden während der Sitzung übergab. Ich kenne keine Details, aber die Kommission entschied sich dann, mich zum Nachfolger von Dr. Draguhn vorzuschlagen. Am Abend erhielt ich dann den Anruf von Professor Maull und im Laufe des Sommers nahm ich den Ruf nach einigen Verhandlungsrunden an.
Das Schicksal des DÜI stand auf des Messers Schneide. Die Evaluierung war sehr negativ ausgefallen. Ich kannte den Evaluierungsbericht zu dieser Zeit noch nicht, wurde aber von der WGL aufgefordert, eine Stellungnahme für die Sitzung des Senats der WGL im November 2004 abzugeben. Was hat das mit Andreas zu tun? Andreas war als kommissarischer Direktor des DÜI einer der Wenigen, der die Entwicklungen des DÜI und auch den EVA-Bericht kannte. Er kannte sich also aus und nur er konnte mir helfen, die Stellungnahme zu schreiben. Wir trafen uns, und wie es immer war, wenn man sich mit Andreas traf, er war gut vorbereitet und hatte schon etliche Punkte für eine Stellungnahme auf notiert. Wir saßen bei mir im Garten, bei schönem Wetter und berieten die Stellungnahme, die ich dann schließlich dem Senatsausschuss für Evaluierung zukommen ließ. Wer diese Stellungnahme von damals nochmal nachlesen möchte, kann dies leicht tun, denn sie ist in der Entscheidung des Senats aus dem Jahr 2004 enthalten, als Anhang.
Dass dann natürlich alles viel grundlegender geändert wurde als zunächst gedacht, wissen die meisten Anwesenden in diesem Saal. Es war ein Kulturschock für viele und für manche der Beginn einer umfassenden Reform, die schließlich zur sehr positiven Evaluierung des GIGA im Jahr 2007 führte. Welche Kraft wir in diesem Prozess aufwenden mussten, welche Hürden wir nehmen mussten, welche Überzeugungsarbeit unter den MitarbeiterInnen geleistet werden mussten, welche Kämpfe ausgefochten wurden, wie wir die Matrixstruktur geschaffen haben, welche brutalen Sparmaßnahmen uns während dieser Reform auferlegt wurden (800 Tsd. € Reduktion des Etats), und wie uns zu der Zeit einige Entscheidungsträger auch haben hängen lassen, lässt sich kaum mehr nachvollziehen, aber es ging ums Ganze. Und Andreas Mehler war derjenige, der das Ganze im Auge hatte und zum führenden Motor des Wandels am GIGA wurde.
Ich möchte diesen Abschied hier nutzen, um Dir Andreas ganz herzlich zu danken, für dein hohes Engagement, für deine Weitsicht, Deinen Elan, Deine Unruhe und Hartnäckigkeit. Das Gartengespräch, das gegenseitige Vertrauen und die unglaublich vielen intensiven Gespräche, die wir abends und mittags immer wieder innerhalb und außerhalb des GIGA führten, haben uns die erforderliche Klarheit für diese Grundreform gebracht. Natürlich war es eine große Teamarbeit aller Bereitwilligen am GIGA. Und das in einer Zeit, als Du einige Hürden privater Natur nehmen musstest und sie auch bravourös genommen hast. Am Ende des Jahres 2007 war die gesamte Equipe des GIGA erfolgreich.
Ich weiß Dir nicht genug zu danken, lieber Andreas. Dein Beitrag zur Reform des GIGA ist größer als wir hier alle annehmen.
Es gäbe natürlich noch viel zu erzählen, und es war ja auch eine Zeit, die uns zusammen schmiedete und uns große Kraft gab. Nicht zuletzt durch die Freundschaft und das gegenseitige Vertrauen.
Zum Schluss:
Es gibt viele Erinnerungen an die Zeit, und die Zeit bis heute, auch nach meinem Abgang hast Du an allen Schrauben zur Weiterentwicklung des GIGA – bspw. Komparative Area Studies – mit gedreht durch deine Klarheit, Deine Bereitschaft nach vorne zu schauen, zu agieren und nicht klein beizugeben.
Und jetzt gehst Du. Kaum zu glauben, nach so langer Zeit am GIGA, dem GIGA Ade! zu sagen und etwas Neues zu beginnen.
Das GIGA wird Dir fehlen, die vertrauten Bürogänge, die der Renovierung harren. Das GIGA wird Dir fehlen, obwohl nicht alles so umgesetzt wurde, wie Du Dir es erhofft hattest.
Und Du wirst dem GIGA fehlen, eine echte Lücke hinterlassen, Du als exzellent aufgestellter weltweit renommierter Wissenschaftler, geschätzt als Wissenschaftler, als Manager, als Leiter des IAA und als Politikberater. Das können nicht so viele. Du wirst eine große Lücke hinterlassen. Die exzellente Evaluierung des IAA zeigt nochmal deutlich, dass Du und Dein Team Großartiges geleistet haben.
Aber nicht nur Wissenschaft. Deine Kochkünste und Deine Gastfreundschaft werden uns fehlen. Um deine exquisiten Kochkünste bewundern und schmecken zu können, und natürlich Deine Weinkenntnisse, da müssen wir uns wohl auf den Weg nach Freiburg machen.
Wahrscheinlich ist auf diesem Gebiet noch mehr von Dir zu erwarten, denn Du lebst fortan in einer kulinarischen Hochburg, natürlich nicht zu vergleichen mit der Pfalz, aber immerhin. Baden, Kaiserstuhl, Tuniberg, das Ortenauer Ländle, der Schwarzwald. Ich bin gespannt, wie sich Kulinarik und Wissenschaft in einer der schönsten Städte in Deutschland miteinander zur neuen Mehler Cuisine verbinden.
In Freiburg geht’s ein bisschen gemütlicher zu; könnte Dir und Deiner Familie ja nicht schaden. Aber wie ich Dich kenne, wirst Du schon aufmischen. Nochmal durchstarten, in die Reformen und die Evaluierungen gehen, mit geballter Erfahrung, mit Deiner Exzellenz. Möge Dir Dein kritischer Geist nicht abhandenkommen.
Wir werden von Dir hören und lesen.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie einen guten Start, viel Glück und eine neue Schaffensphase, und natürlich den Erhalt der Verbindung zwischen Hamburg und Freiburg, und zwischen Dir und Deinen KollegInnen und FreundInnen, die in der schönsten Stadt Deutschlands bleiben.

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