ARTE Metropolis, 20.9.2015

Europas Afrikapolitik in der Debatte

link: http://www.arte.tv/magazine/metropolis/de/europas-afrikapolitik-der-debatte-metropolis

Robert Kappel, GIGA Institut

Eine Milliarde Euro für Afrika − für die Rücknahme afrikanischer Migranten und Flüchtlinge! Ein Vorschlag, der auf dem EU-Flüchtlings-Gipfel im November in Malta zur Debatte steht. Politik mit dem Scheck-Heft? Was taugt diese Idee?

Metropolis bittet zwei Afrika-Experten Stellung zu nehmen: Professor Dr. Robert Kappel, Afrika-Experte am deutschen GIGA-Institut für globale Studien, und den seit 1974 in Deutschland lebenden Äthiopier Dr. Asfa-Wossen Asserate, politischer Analyst und Bestsellerautor und Großneffe des letzten afrikanischen Kaisers Haile Selassie.

Beide Experten warnen seit Langem vor dem Exodus aus Afrika, in der Europäischen Union jedoch herrscht Uneinigkeit über eine gemeinsame Strategie. Das Resultat: eine Interessenpolitik, die noch im Denkmuster des Kolonialismus fußt und neue Ansätze in Europas Afrika-Politik blockiert. Dabei muss Europa dringend handeln, nachhaltig, denn bis zum Jahr 2050 wird sich die afrikanische Bevölkerung mehr als verdoppeln − auf 2,4 Milliarden!

Dr. Asfa-Wossen Asserate:
“Mein Riesenproblem ist, dass wir bislang nur die Symptome der Migration behandelt haben und uns nie richtig die Frage gestellt haben: Was sind die Ursachen? Die mächtigsten Exporteure von Flüchtlingsströmen sind afrikanische Diktatoren.

Das ist Hohn gegenüber der UN-Menschenrechtscharta von 1948, die alle afrikanischen Staaten unterzeichnet haben. Auf die pocht Europa in Afrika aber nicht nachdrücklich genug. Solange es keine neue europäische Afrikapolitik gibt, werden wir diesen EXODUS auf Afrika nicht stoppen können. Die Afrikaner werden weiterhin mit den Füßen abstimmen.”

Prof. Dr. Robert Kappel:
“Bisher sehe ich keinen afrikanischen Staat, der sagt: „Ich möchte unbedingt meine Migranten und Flüchtlinge zurückhaben!“ Auch die afrikanische Union, die ja die Interessen aller afrikanischen Staaten vertritt, hat überhaupt kein Konzept und sagt zu diesem Thema auch nichts.

Wir können nur durch eine Politik vor Ort dazu beitragen, dass weniger kommen. Nur die Perspektive auf ein menschenwürdiges Dasein, Arbeit und einen funktionierenden Binnenmarkt werden die Afrikaner motivieren zu Hause zu bleiben!

Die EU muss in die mittelständische Wirtschaft investieren und Arbeitsplätze in Afrika schaffen. Wir sind dabei jedoch schon total im Rückstand. Vor 15 Jahren wurde schon diskutiert, was wir machen könnten und sollten, vor zehn Jahren, vor fünf Jahren, aber es ist keinerlei Maßnahme erfolgt.

Wir wissen vom Staatsverfall in vielen afrikanischen Ländern, wir kennen die politischen Krisen, wir sind durch wissenschaftliche Analysen längst gewarnt, aber wir haben gedacht: Irgendwie wird sich das schon von alleine lösen.”

Autorin: Susan Loehr

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