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Wilhelm Lehmann

Abgeblühter Löwenzahn

Verwandle dich und werde leicht,
Zerfasere zu Samenhaar!
Gemindert schwebt, ein dünnes Korn,
Was gestern Strahlenball noch war.

Verwandlungsträchtig, warst du kaum,
Und saugst dich frisch im Leben fest,
Das dich und mich, treuloser Staub,
An keiner Stelle weilen läßt.

Begleite Vers die Flüchtigkeit,
Gebiete er, gebiete zart.
Sei, wie von meinem Finger du,
Das Schwindende von ihm bewahrt.

Ein zweites Dasein überwächst
Das erste, das geopfert liegt.
Verweh es denn wie Löwenzahn,
Damit es traumgekräftigt fliegt.

Wilhelm Lehmann:  wuchs in Hamburg-Wandsbek auf, studierte in Tübingen, Straßburg und Berlin. Er war Lehrer, wirkte an verschiedenen Landschulheimen als Erzieher und unterrichtete schließlich von 1923 bis 1947 an der Jungmannschule in Eckernförde Deutsch und Englisch. Das Gedicht stammt aus Wilhelm Lehmann. Gesammelte Werke in acht Bänden. Band 1. Sämtliche Gedichte, Hrsg. Hans Dieter Schäfer, Stuttgart 1982, S. 145.

Informationen zu Wilhelm Lehmann, Werk, Rezeptionsgeschichte, Veröffentlichungen zu Wilhelm Lehmann bei der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft, Eckernförde. http://wilhelm-lehmann-gesellschaft.de/

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