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Bild: (c) imago/Xinhua Afrika (imago stock&people) 

Der Afrika-Experte Robert Kappel über übertriebene Erwartungen, die Unterschiede zu Asien und falsche Anreize durch Entwicklungshilfe.

06.01.2017 | 18:58 |   (Die Presse)

Die Presse: Ist der „afrikanische Traum“ nun endgültig ausgeträumt?

Robert Kappel: Dieser Traum, dass Afrika jetzt rasch aufholen würde, fußte nicht auf starken Realitäten. Denn es war ein Traum, der von der Rohstoffnachfrage und vom Boom Chinas abhängig war. Es war eine übertriebene Erwartung, dass es immer so weitergehen könnte. Das ist jetzt zusammengebrochen. Die Vorstellung, Afrika sei der Zukunftskontinent der Welt, war an den Haaren herbeigezogen. Afrika muss hart kämpfen, um Anschluss zu finden.

Warum hat der Rohstoffboom den Kontinent so wenig vorangebracht?

Das Wachstum durch Rohstoffe hat nur wenig Beschäftigungswirkung. Ein Beispiel: Nigeria hat gewaltige Ölexporte, aber die Ölindustrie beschäftigt dort nur 100.000 von 180 Millionen Einwohnern. Die Rohstoffe werden fast unbearbeitet exportiert, es entsteht keine Wertschöpfung im Land. Es fehlt auch die Verknüpfung zur lokalen Wirtschaft. Das ist aktuell das Hauptthema für viele Länder: Wie bekommt man eine Industrialisierung hin, die Jobs schafft, eine größere lokale Wertschöpfung? Wie lassen sich mehr Unternehmen einbinden, wie können sie sich technologisch entwickeln, mithalten im globalen Wettbewerb?

Also kurz gesagt: Warum schafft Afrika nicht, was in Asien so gut gelungen ist?

Länder, die zu spät kommen, haben eine grundlegend andere Situation. Südkorea, Taiwan und China konnten vor 30, 40 Jahren noch durch staatlichen Schutz und Anreize viele Entwicklungen nachholen, weil die Globalisierung noch nicht so weit fortgeschritten war. Heute könnte das nicht mehr funktionieren, dazu ist die Welt zu globalisiert. Das macht es für die afrikanischen Länder viel schwerer. Sie müssen sich weit mehr anstrengen, um konkurrenzfähig zu sein und in internationale Wertschöpfungsketten reinzukommen. Bangladesch produziert T-Shirts um einen Euro – in Afrika ist das zu solchen Preisen und dieser Qualität gar nicht möglich. Produktionsstandards, Lieferpünktlichkeit – hier fehlt die Erfahrung, das muss alles neu entwickelt werden. Das ist eine Herkulesaufgabe!

Gibt es Staaten, die da schon weiter sind?

Es gibt ein paar Vorzeigeländer, die auch ohne Rohstoffe gewachsen sind, also von innen heraus, wie Ruanda und Senegal. Sie haben in eine nachhaltige Entwicklung investiert. Aber das sind nur wenige. Äthiopien produziert Schuhe und Handtaschen aus Leder, dank ausländischer Investoren, die mit den neuesten Technologien kommen. Die Regierung bringt sie dazu, mit lokalen Unternehmern zu kooperieren. Das kann man auch mit steuerlichen Anreizen machen. Auch für die Autoindustrie in Südafrika stimmen die Voraussetzungen. Aber in vielen Staaten fehlen sie. Dort gibt es keine berufliche Bildung. Für diese Länder bleiben nur Produkte, die es anderswo nicht gibt: Kaffee, Kakao, Palmöl. Aber sogar hier wächst die internationale Konkurrenz.

Was braucht es in Afrika an politischen Rahmenbedingungen?

Man kann heute in vielen Ländern viel leichter ein Unternehmen gründen, etwa in Ruanda. Investoren kommen auf jeden Fall nur, wenn die Eigentumsrechte gesichert sind, wenn es politische Stabilität gibt, keine großen Brüche. Das ist die Grundbedingung.

Die Stabilität hat sich ja verbessert. Auch manche asiatische Staaten waren eher spät dran: Bangladesch, Vietnam, Kambodscha. Sie hatten anfangs auch nur niedrige Lohnkosten zu bieten. Warum haben sie es dennoch besser geschafft, sich in die globalen Wertschöpfungsketten einzuklinken und auch hinaufzusteigen? Wo liegt der Unterschied?

Ganz einfach: in der Produktivität.

(c) Die Presse

Warum bleibt sie in Afrika so niedrig?….

Das gesamte Interview in “Die Presse” 6.1.2017: http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5150234/Der-Weg-ist-noch-weit-aber-es-gibt-Hoffnung?from=suche.intern.Portal

 

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