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Schreckgespenst – Gedicht von Peter Arnold

 

Ein neues Corona-Schreckgespenst

geht als Tröpfcheninfektion um die Welt.

Grenzen sind ihm piepe egal.

Gleich einem „Ebola der Reichen“ und Globalisierten

fährt es wie ein blinder Passagier

mit Geschäftsflugreisenden und in Kreuzfahrtpalästen

von Kontinent zu Kontinent,

unaufhaltsam, bar sozialer Rücksicht,

auf Türklinken, Einkaufswagen und via hüstelnde Nachbarn

überall zynisch „Risikogruppen“ belauernd.

Feuchtfröhliche Partys in Touristenparadiesen

und prallgefühlte Fussballstadien bieten sich als Zwischenhorte an.

 

Regierungen erklären kriegsrechtähnlich

den Ausnahmezustand in Friedenszeiten.

Durchseuchen und durchsterben ist unpopulär.

Millionenstädte und Volkswirtschaften

werden auf Sparmodus geschaltet.

Flugzeugflotten bleiben am Boden,

Schulen schliessen.

Kontaktminimierung, soziale Distanz,

nennt sich die Eindämmungsstrategie,

was denn sonst,

mangels medizinischer Wirkstoffe

und angesichts drohender Überlastung

marktkonform zurechtgeschrumpfter Gesundheitssysteme.

 

„Jeder stirbt für sich allein“ gilt mehr denn je,

auf Intensivstationen und in Altersheimen,

für Abschiednehmen gibt es numerische Vorgaben.

Krematorien haben Hochkonjunktur,

Leichenhallen stossen an ihr Fassungsvermögen,

überschüssige Tote werden in Massengräbern

zwischenversorgt.

 

Abschottung, soziale Distanz, ist Grundmaxime

an Landesgrenzen, im Wohnbereich, überall,

nur nicht elektronisch.

Demokratisch gewählte Möchtegern-Diktatoren

greifen lüstern-faunisch nach Alleinherrschaft

oder basteln mit fetten Checks und Mammutprogrammen

an ihrer Wiederwahl.

Zukünftige Generationen zahlen mit.

Mancherorts gerät der Haussegen in Schieflage,

in Familien, auch zwischenstaatlich.

 

Nur, auch dies gilt:

Angst vor dem Ungewissen lässt sich einsperren,

Mitmenschlichkeit nicht.

Zu hoffen ist, dass der Wirklichkeitszerfall,

den wir erleben,

die Beobachterintensität unseres Erinnerungsvermögens

schärft und nicht abschwächt.

Nur so wird die Normalität von morgen

nicht wieder der von gestern gleichen.

 

Peter Arnold: Geboren 1945 im Kanton Uri (Schweiz), Studium und Doktorat in Soziologie, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Genf, danach langjährige Tätigkeit in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz. Verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern, lebt heute in der Nähe von Genf.

siehe Peter Arnold, Wurzeln und Flügel. Geschichte meiner Urner Familie, Tredition: tredition.de/buchshop/

https://graensengrenzen.wordpress.com/2018/03/18/kanton-uri-wie-die-zeiten-sich-andern-peter-arnold/