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Sechs Coronablues-Gedichte (Robert Kappel)

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Home Office

Da sitze ich in Unterhose
Mein Schreibtisch
Auf dem Balkon

Ich bin im Homeoffice
Was kümmert mich mein Chef
Was kümmerts den, was ich anhab

Ich sitz im Homeoffice
Liegend geht auch
Was kümmerts meine Chefin, was ich grad tu

Ich steh im Homeoffice
Im Hinterhof
Pflücke die Blüte aus Nachbars Garten

Ich laufe im Homeoffice
Den Träumen hinterher
Was geht’s meine Kollegen an

Ich bleibe im Homeoffice
Solange es geht
Dann mache ich mich vom Acker.

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Corona – Krone in Flammen

Schöne Tage
Der Himmel so blau
Schöne Tage
Das Wetter beruhigt

Schöne Tage
Die Natur erleichtert
Schöne Tage
Die Sonne ins Gesicht

Schöne Tage
Durch die Augenlider schimmert es rot
Schöne Tage
Ein Hauch von einer Wange

Schöne Tage
Ranunkeln zeigen dir den Weg
Schöne Tage
Die Sonnenstrahlen wärmen dich.

Schöne Tage

Schöne Tage

Das Fieber bohrt sich in deine Lungen.

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Coronatage

Was für Tage
Ertragen
Betragen sechs
Betragen eins
Der Zeigefinger der Entscheider
Weist uns zurecht
Weist uns den Weg
Wielange noch.

Wir ertragen
Tragen die Last
Lasten tragend

Unser Rücken
Beschwert sich
Wir beschweren uns

Beschwerend
Gehen wir durch die Tage
An Tagen wie diesen
Beschweren wir uns
Beschwerend ertragen wir
Ertragend beschweren wir uns

Solange
bis der Morgen lacht
Die Sonne ins Gesicht scheint
So bleibt der Schein

Eines Tages
Lachen wir
Denn wir haben erschwerend, beschwerend, ertragend und lachend
Dem Morgen entgegen gefiebert

Fiebernd
Coronaverzaubert.

 

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Sonnentag

Ich gehe durch die Straßen

Fahre mein Rad

Immer am See entlang

Der kein Ende nimmt

Dem die Sonne abgeht.

So fahre ich

So gehe ich

So fühlt sich Himmel an

So kegelt sich das Leben

Am Sonnentag

Regnet es

So will es der Kalender

Oder der Regengott.

 

Dreimal muss ich noch schlafen

Und dann ist wieder Sommer

Schon wieder Sommer

Noch so ein Sommer

Am liebsten bleibe ich im Haus

Ohne Töne

Ohne Licht

Nur das Rauschen des Windes

Noch länger sollte ich

Mich der Langeweile hingeben

Im grauen Haus

Das nicht in der Sonne strahlt

Das graue Haus

Herman Bang mit mir

Zäh geht mühelos

Ein Segel blinkt mir zu

Noch so ein Wochenende

Ohne Ende ohne Wende

Noch so ein Schatten

Auf meinem Handrücken

Ich zähle die Sekunden

Im Takt mit der Wanduhr

Im Radio leise Musik

Ob es wohl Schubert ist

So geht es Tag aus Tag ein

So soll es wohl sein

Wird wohl niemals enden

Was könnte mich noch ängstigen.

 

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Distanz

Genial

Die richtige Distanz

Richtig. Richtig ist richtig

Distanz ist richtig (falsch)
Richtig ist Distanz (falsch)

Was ist eine
Wichtige richtige Frage

Was ist die richtige Distanz
Wichtiger noch: falsche Distanz

Denn eigentlich
Keine Distanz
Dann ist alles richtig

So leben wir im Wahn der richtigen Distanz und können ihn nicht lösen
Nicht einmal die Wissenschaft

Wie kann denn ich wissen
Was die richtige falsche Distanz ist.

Vor allem wenn ich glaubte, ich bräuchte keine Distanz
Aber das scheint eine rein subjektive Betrachtung zu sein
Der die Virologen widersprechen
Im Moment haben sie einfach Recht.

Rechter als ich, der das ganz subjektiv sieht.

 

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Es war einmal America

Dummheit aus Washington
Machtfülle
Desinfiziertes Volk durch Licht und Reinigungsmittel
Follower folgen
Gegner kuschen.

Gesundheitskaputtsparcountry.

Tode schrecken auf

Berater hängen stehend an President‘s Lippen
Schütteln wiegend den Kopf
Im Zentrum stehen
Bei Fuß! Er weiß Hunde immer genau an seiner Seite
Berater
BeraterVerbrater im Sumpf der Lügen.

Auf den Straßen verwesen die Leichen

Gesundheitskaputtsparcountry

Steigerungen

Dummdreister Machtgeil-Führer
Dummdreiste dumme Follower
Je dümmer desto Macht
Mussolini-Gebärden – der Diktator lächelt im Grab
Korrumpierte Demokratenzermalmpartei
Dümmstendreiste Republikanerpartei
Oberoberdümmste schnorrende Republikanerneurosegouverneuresenatoren.

Fehlt nur noch der Kollaps
Bis die Macht zerbricht

Danach einfach nur Stille

Es war einmal America.

 

Siehe weitere Gedichte hier:

Das kleine und das große Rauschen:
https://wordpress.com/post/graensengrenzen.wordpress.com/2873