Wirtschaftswunder in Nigeria?

Das einzige, was im Land nachhaltig zunimmt, ist die Gewalt. Daran können auch geschönte Statistiken nichts ändern.

Nigeria ist das siebt-bevölkerungsreichste Land und der achtgrößte Ölexporteur der Welt. Durch eine Neuberechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wurde das Land Anfang April plötzlich zur stärksten Wirtschaftsmacht Afrikas erklärt. Das Pro-Kopf-Einkommen war wie durch ein Wunder innerhalb von ein paar Jahren von 1100 US-Dollar auf 1700 US-Dollar gestiegen. Natürlich: Alles geschönte und politische Zahlen, die ein falsches Bild vom Aufstieg Nigerias zeichnen. Ob die Daten dieses Jahres besser sind? Niemand weiß es, weder die Weltbank noch der IWF noch die nigerianische Regierung. Denn es gibt keine verlässlichen Erhebungen. Haushaltsuntersuchungen sind mangelhaft und die statistischen Ämter sind äußerst anfällig für politische Intervention. Die meisten Menschen versuchen, in der Landwirtschaft und im informellen Sektor zu überleben. Die Mehrheit der Bevölkerung – ca. 60 Prozent – ist extrem arm, Mangel- und Unterernährung sind weitverbreitet. Es zeichnet sich für die arme Bevölkerung auch keine
kurzfristige Verbesserung ab, denn die Bevölkerung wächst enorm. Der aktuelle Stand: circa 175 Millionen Menschen.
Dabei profitieren vom gegenwärtigen Wachstum vor allem die extrem reiche Oberschicht und eine zahlenmäßig nicht unerhebliche urbane Mittelschicht der Staatsbediensteten, Lehrer, Dozenten, Händler, Kleinunternehmer und Lokalpolitiker (Chiefs). Die breite Bevölkerung bleibt außen vor. Vor allem im Norden Nigerias kommt das Wachstum nicht an. Zurecht zeigte sich der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan unbeeindruckt von den neuen Daten: “Ich kann nicht feiern, solange nicht alle Nigerianer die positiven Auswirkungen unseres Wachstums spüren”, teilte der Präsident mit. Nigeria ist groß und hat Potential. Doch trotz der großen Zahlenklauberei bleibt Nigeria eine einseitige Wirtschaft, in der Öl und Gas die entscheidende Rolle spielen.

mehr: pdf-fileNigeria.wirtschaft.2014.IPG
Veröffentlicht am 22.04.2014
ipg-journal.de

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