Georg Asmussen »Stürme«

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Georg Asmussen »Stürme«, Husum Verlag, 2. Auflage 2005 (ursprünglich 1906)

Rezension von Klaus Guhl, 21.9.2017

Georg Asmussen

Georg Asmussen? Sturmflut in der Ostsee? Nur eine Handvoll, meist ortskundiger, Belesener kennt noch seinen Namen. Vergessen auch die schwere Sturmflut in der Ostsee vom November 1872. Anders als der 40 Jahre ältere, von der Westküste stammende und von der Nordsee schreibende Theodor Storm, ist Georg Asmussen (1856 bis 1933) zu Unrecht vergessen. Eine Schule in Gelting  trägt noch seinen Namen, in der Flensburger Zentralbücherei verstauben seine Bücher, der Angler Heimatverein veröffentlicht auf seiner Homepage einen kenntnisreichen Aufsatz, aber das war´s im Grunde. Wenn nicht »Stürme« wäre. Keineswegs angestaubt, ältlich und holperig zu lesen. Eher spannend, warmherzig und erhellend. Asmussen mag Menschen, auch die, die scheitern. Starke Frauen treiben die komplexe Handlung voran. Asmussen beschreibt liebevoll die Landschaft und die Gebräuche. Mehr noch aber die Menschen in ihrem Hin- und Hergerissen sein von Wunsch und Wirklichkeit, Hoffen und Scheitern, Lieben und Verraten. Da ist Hans Thordsen, der als Junge schon zur See fahren will. Wie Asmussen wächst er vaterlos auf und kommt in der Welt herum. Liebt er Meta Norgaardt, die kleine Rothaarige aus einer Familie von Habenichtsen, gescheiterten Komödianten und Tagediebe, die so verzweifelt und wild versucht, ihrer Sozialisation zu entkommen und von Peter Ottsen, dem Gutsbesitzersohn geschwängert wird? Alles das ist nicht  trivial,  weil Asmussen genau hinschaut und in guten Dialogen einfühlsam und komplex erzählend die Menschen in ihrer Seele ausleuchtet. Weil »Stürme« eben nicht nur die Ostküste verwüsten, sondern in den Menschen wüten und in der Zeit der industriellen Revolution vor den alten Traditionen nicht halt machen. Da ruiniert Peter Ottsen den Hof seiner Vorväter, weil er sich von dem risikobereiten Ingenieur Merkel teure und schließlich ineffektive Maschinen aufschwatzen lässt. Da gerät Hans Thordsen in den Streik der Hamburger Hafenarbeiter unter Führung des legendären Arbeiterführers Tom Mann. Mit klarem Blick lässt uns Georg Asmussen teilnehmen an diesen großen Veränderungen. Wer Hans Kirk mag, der wird Asmussen lieben. Eine Entdeckung.

  • Klaus Guhl ist Pastor in Flensburg

Weitere Informationen zu Georg Asmussen

http://www.angler-heimatverein.de/wissenswertes/persoenlichkeiten/georg-asmussen.html

zu Hans Kirk: http://www.hans-kirk.de/index.php/de/hans-kirk

 

 

 

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